Frankfurter Stiftungstag, 11. – 12. Mai 2012 – eine Plattform für unternehmerische Menschen

Dr. Roland Kaehlbrandt*

Der Frankfurter Stiftungstag zeigt, was man mit einer Stiftung bewirken kann. Die IHK Frankfurt ist Partner.

Erweiterungsbau des Städel? Bildungsstipendien für belastete Familien? Gezielte Förderung von Hochbegabten? Hinführung von Jugendlichen zum Beruf des Ingenieurs? Spitzen-Förderung für begabte Handwerker? Wo auch immer man auf neue Initiativen in Frankfurt und Umgebung stößt, fast immer sind Stiftungen als Impulsgeber oder Unterstützer dabei. Stiftungen sind ein wichtiger Teil der Bürgergesellschaft, gerade in Frankfurt, das traditionell ein Spitzenstandort für Stiftungen ist. Sie regen an – und sie sind selbst offen für Anregungen von außen. Sie nutzen ihre Unabhängigkeit, um Dinge voranzubringen, in Wissenschaft, Bildung, Integration, Kultur und Umwelt. Und sie werden gebraucht: So hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung kürzlich in einer Studie darauf hingewiesen, dass Schätzungen zufolge auf herkömmliche Weise nur 50 Prozent der Begabungen in unserem Land aufgespürt werden[1]. Gerade Stiftungen leisten daher mit ihren vielfältigen Förderprogrammen einen wichtigen Beitrag zum Auffinden und systematischen Fördern von Menschen mit Potential – eine Kernaufgabe in einem Land mit schrumpfender und alternder Bevölkerung. Dabei können Stiftungen neue Wege beschreiten, getreu dem Ausspruch von Lord Dahrendorf: „Stiftungen sind zu kostbar, um Teil des Zyklus zu sein. Sie müssen antizyklisch handeln.“

Um die Arbeit von Stiftungen einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, veranstaltet die Initiative Frankfurter Stiftungen zusammen mit der IHK Frankfurt der „Frankfurter Stiftungstag 2012“. Der Stiftungstag  gibt all jenen, die etwas bewegen wollen, die Gelegenheit, die vielfältigen Projekte und die Wirkung von Stiftungen einmal ganz aus der Nähe kennen zu lernen – und sich vielleicht auch selbst davon inspirieren zu lassen.

Im Zentrum des Stiftungstages steht die anschauliche Information über den ganzen Bereich des Stiftens und der Stiftungen in Frankfurt und Umgebung. In fünf Praxis-Workshops, die am Freitag, dem 11.5.2012 in den Räumen der IHK stattfinden, werden zentrale Fragen rund um das Stiftungswesen behandelt: Wie gründet man eine Stiftung? Was kann man mit einer Stiftung eigentlich erreichen? Soll man nur fördernd tätig sein oder auch eigene Projekte aufbauen? Wie arbeitet man mit anderen Organisationen zusammen? Und wie misst man schließlich den Erfolg der Stiftungsarbeit?  Die Moderatoren und Referenten der Workshops kommen aus den Reihen der Initiative Frankfurter Stiftungen; es sind erfahrene Stiftungspraktiker, darunter Clemens Greve, Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung, Dr. Christof Eichert, Vorstand der Herbert Quandt-Stiftung, Dr. Ingmar Ahl, Projektvorstand der Karg-Stiftung. Vom Rechtsamt der Stadt Frankfurt wirkt Claudia Eiling mit. Für Interessierte, die eigene neue Ideen diskutieren und bearbeiten wollen, gibt es eine eigene „Ideenwerkstatt“. Sinn und Zweck der Stiftungsworkshops ist das offene Gespräch, verbunden mit praxistauglichen Tipps für all jene, die sich in irgendeiner Weise mit dem Stiftungsthema beschäftigen wollen oder dies bereits tun.

Nach den Workshops folgt am Freitagabend eine festliche Abendveranstaltung. Im Zentrum steht ein Vortrag zum Thema „Stiftungen als aktiver Teil der Bürgergesellschaft“. Gastredner ist Prof. Dr. Herfried Münkler von der Humboldt-Universität Berlin. Der renommierte Politikwissenschaftler  stammt aus Friedberg und kennt auch das Frankfurter Stiftungswesen gut.  Weitere Redner sind u.a. IHK-Präsident Dr. Mathias Müller und die Frankfurter Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Bernadette Weyland.  Der Abend wird moderiert von einer Stadtteilbotschafterin „a.D.“ der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Die musikalische Begleitung kommt von zwei ehemaligen Stipendiatinnen der START-Stiftung, eine Tochter der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung.

Am Samstag, dem 12.5.2012, bietet der Stiftungstag einen „Stiftungsmarkt“ an: 28 Stiftungen aus Frankfurt und Umgebung sowie die Initiative Frankfurter Stiftungen und das Bürgerreferat der Stadt Frankfurt  präsentieren sich von 11.00 Uhr bis 16.00 Uhr im Ludwig-Erhard-Saal  der IHK mit eigenen Ständen. Die Ausstellung deckt die ganze Breite des Stiftungswesens ab, von der Deutsche Bank-Stiftung bis zur Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte, von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung bis zur Stiftung Giersch, von der Herbert Quandt-Stiftung bis Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder. Hier besteht Gelegenheit, mit Verantwortlichen aus Stiftungen verschiedenen Typs – ob fördernd oder mit eigenen Projekten aktiv, ob lokal, regional, national oder gar international tätig – direkt ins Gespräch zu kommen, sich intensiv über die Arbeit der Stiftungen zu informieren und zahlreiche Anregungen mitzunehmen. Spenden, zustiften, selber gründen oder ehrenamtlich mitarbeiten: Vielfältig sind die Möglichkeiten der Mitwirkung im Stiftungsbereich.

Der Frankfurter Stiftungstag findet erstmalig als Zusammenarbeit zwischen der Initiative Frankfurter Stiftungen und der IHK Frankfurt statt. Damit wird die erfolgreiche Kooperation fortgesetzt, die beide Partner schon bei den zwei Frankfurter Stiftungsgesprächen 2009 und 2011 verband. Stiftungen werden überwiegend von Unternehmern und unternehmerischen Menschen gegründet. Die Mitglieder der IHK sind daher gerade für die Weiterentwicklung des Stiftungswesens von besonderer Bedeutung. Die Initiative Frankfurter Stiftungen wurde 1994 anlässlich der 1200-Jahrfeier der Stadt Frankfurt gegründet. Ihr gehören 17 Stiftungen aus Frankfurt und Umgebung an. Ziele der Stiftungsinitiative sind die Information über das Stiftungswesen, die Vernetzung der Stiftungen untereinander und der aktive Beitrag zu einem stiftungsfreundlichen Klima in Frankfurt. 

 

*Dr. Roland Kaehlbrandt ist Vorsitzender der Initiative Frankfurter Stiftungen und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main.


[1] Mehr Chancen für Schüler. Wie sich mit Stipendienprogrammen Begabte finden und fördern lassen. Herausgegeben vom Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung, Discussion Paper 5, Mai 2011.